Nürnberger Pfennig
Friedrich II 1215-1250
Löwe nach links Königsbrustbild
 

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Währungsrelationen zur Kreuzerzeit in Bayern
 
     
  I. Währungsverhältnisse in Bayern vor 1810  
     
  A. Der Reichsgulden  
     
  In ganz Bayern galt Ende des 18. Jahrhunderts die Rheinische Währung:  
     
 

1 Rheinischer Gulden = 60 Kreuzer

 
     
  In ganz Bayern? Nein, im Fränkischen Kreis, im Fürstentum Bayreuth, im Oberland, also in der Gegend um Bayreuth, Hof, Kulmbach, Selb, Wunsiedel, rechnete man tapfer immer noch mit der Fränkischen Währung. Und dann gab es da noch im Fränkischen Kreis das Fürstbistum Würzburg. Hier war man noch etwas konservativer, die Würzburger rechneten mit Schillingen und Dreiern.

Was ist Rheinische Währung? Was ist Fränkische Währung? Was sind Schillinge und Dreier und wie verhalten sie sich zu Gulden und Kreuzern?


Um diese Fragen beantworten zu können müssen wir leider eine kleine Zeitreise machen. Nein, nein, nicht zu den Römern und Griechen, aber ein paar Jahrhunderte sollten es schon sein. Also ich verspreche es so kurz und kurzweilig wie möglich zu machen, aber ein wenig Text am PC ist schon zu lesen.

Das Maß für größere Geldbeträge im Mittelalter war nicht irgendeine Währungseinheit oder Münzeinheit, sondern der Wert des Silbers. Im Jahr 1318 traf der Burggraf von Nürnberg eine Abmachung mit dem Vogt von Weida und dabei ging es "umb vierhundert mark lötiges silber", wobei die Mark damals eine Gewichtseinheit war. Man weiß, dass die Nürnberger Mark 238,6 g wog, so dass es in der Abmachung demnach um 95,4 kg feines Silber ging.
 
     
 

um das Jahr 1300        1 Mark Silber = in Nürnberg 238,6 g

 
     
  Etwas später zahlte man in "Pfund Silber", wobei das Pfund das Gewicht von 2 Mark hatte und demnach in Nürnberg rund 477 g wog.  
     
 

1 Pfund Silber = 2 Mark Silber = in Nürnberg 477 g

 
     
  Um das Abrechnen mit Silber zu erleichtern begann man daraus Münzen zu prägen, und zwar 240 Pfennige aus einem Pfund Silber. Man zahlte also jetzt nicht mehr in "Pfund Silber" sondern in "Pfund Pfennig", wobei man 240 Stück Pfennige mit zusammen 1 Pfund Silber Feingehalt meinte.  
     
 

1 Pfund Silber = 240 Pfennige

 
     
  Ein besonders begehrter Pfennig wurde in Hall geprägt, darum wurde es üblich, von "Pfund Heller" zu sprechen, wenn man 240 Heller meinte. Für dieses "Pfund Heller" wurde 1356 die Bezeichnung "Gulden" festgelegt. Damit meint man nicht die Goldmünze Gulden oder später die Silbermünze Gulden. Man meinte den Gulden als Rechnungseinheit, der nicht wirklich ausgeprägt wurde.  
     
 

um 1356 Rechnungseinheit    1 Gulden = 240 Hall'sche Pfennige = 240 Heller

 
     
  Der Heller wurde immer schlechter in Schrot (= Gewicht der Münze) und Korn (= Edelmetallgehalt der verwendeten Legierung) ausgeprägt. Die 240 Heller enthielten allmählich sehr viel weniger als ein Pfund Silber, wurden aber trotzdem weiter als ein Pfund Heller bezeichnet. Als 1356 festgelegt wurde, dass ein Pfund Heller gleich ein Gulden sein soll, enthielten die 240 Heller schon nur noch 50,6 g Silber statt eines Pfundes. Man versuchte 1396 diesen Wertverfall des Hellers durch eine Münzreform aufzuhalten. Der Heller wurde auf das Vierfache aufgewertet und man schuf das "Pfund neu".  
     
 

um 1356     1 Gulden = 1 Pfund Heller
um 1370     1 Gulden = 2 Pfund Heller
bis 1396      1 Gulden = 8 Pfund Heller

nach 1396   1 Gulden = 2 Pfund Heller neu = 8 Pfund Heller alt
1 Gulden = 2 Pfund Heller neu = 240 Pfennig = 480 Heller (später 252 Pfennig)

 
     
  Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass man mit dem Gulden nicht die aus Florenz stammende Goldmünze dieses Namens meinte, die es seit etwa 1300 auch in Deutschland gab und von der das Kurzzeichen für Gulden fl stammt. Man meinte auch nicht eine der zahlreichen späteren Silbermünzen, die den Namen Gulden trugen. Der hier gemeinte Gulden ist eine reine Rechnungs-, Bezugs- oder Zählgröße. Man nennt ihn Reichsgulden oder auch rheinischen Gulden.

Dieser Reichsgulden oder rheinische Gulden war durch mehr als vier Jahrhunderte in Süddeutschland die Messgröße für mittlere und große Beträge. Dieser Rechnungsgulden löste das Pfund alt und das Pfund neu ab.

 
     
 
 
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Diese Seite wurde zuletzt am Freitag 1 Mai, 2009 0:24 geändert.
© 2002 Wolfgang Appell

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Nürnberger Pfennig Mittelalter
I. 
Die Währungsverhältnisse in Bayern vor 1810
   
  A. Der Reichsgulden
B. Schilling, Groschen,
    Kreuzer, Taler
C. Die Fränkische Währung
   
II. 
Die Währungsverhältnisse in Bayern nach 1810
   
  A. Münzmark und Münzfuß
B. Umlaufende Münzsorten
    und ihr Wert
C. Der Dukaten
   
III. 
Der Sortenzettel
   
IV. 
Vergleich Münzwerte Europa - Bayern 1842
   
V. 
Kaufkraft des Rechnungsguldens
   
Händlein-Heller von
Schwäbisch Hall Mittelalter